Als wir angefangen haben, uns mit dem Kauf eines eigenen Katamarans zu beschäftigen, sind wir früher oder später auch über das Modell «Charter Invest» gestolpert.
Was ist das überhaupt?
Verschiedene Charterfirmen bieten Programme an, bei denen man nur einen Bruchteil des Neupreises für ein Boot bezahlt – meist zwischen 30 und 50 Prozent. Im Gegenzug wird «dein» Katamaran während rund fünf Jahren in die Charterflotte aufgenommen und an Gäste vermietet. Die Chartereinnahmen sollen laufende Kosten und Raten decken. Als kleines Extra erhältst du sogenannte Owner Weeks – also ein paar Wochen pro Jahr, in denen du auf deinem Boot (oder auf einem vergleichbaren Boot in der Flotte der Charterfirma) segeln darfst. Nach Ablauf der Laufzeit gehört das Boot dann dir.
Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch.
Auch wir haben uns anfangs von diesem Modell einlullen lassen. Auf dem Papier sieht alles logisch aus: Du kommst günstiger zu einem Boot, brauchst dich nicht um Wartung zu kümmern und kannst trotzdem ab und zu segeln gehen. Wir haben sogar eine Infoveranstaltung besucht – mit glänzenden Augen und leichten Dollarzeichen im Kopf.
Die Realität holt dich schneller ein, als dir lieb ist
Nach längerem Nachdenken – und nach vielen Chartertörns auf Booten verschiedenster Anbieter – war für uns klar: Charter Invest ist nichts für uns.
Wir haben selbst gesehen, in welchem Zustand viele dieser Katamarane sind, selbst wenn sie erst ein oder zwei Jahre alt sind. Teilweise erschreckend heruntergekommen, lieblos repariert und technisch auf Kante gefahren. Schuld daran sind einerseits die Charterfirmen, andererseits aber auch viele Kunden, die einfach keine Ahnung oder kein Gefühl für Material haben.
Was gegen ein Charter-Invest spricht
- Du kaufst die Katze im Sack – und weisst erst nach fünf Jahren, in welchem Zustand dein Boot wirklich ist.
- Vieles wird mit «normaler Abnutzung» abgetan – ersetzt wird nur das Allernötigste.
- Nach der Übernahme bleiben nicht selten fünf- bis sechsstellige Beträge für Erneuerungen an dir hängen.
- Versteckte oder strukturelle Schäden sieht man oft erst, wenn es zu spät ist.
- Die Charterfirma hat wenig Interesse an perfekter Wartung – sie will das Boot möglichst oft und teuer vermieten. Zwischen Check-out am Morgen und Check-in am Abend bleibt schlicht keine Zeit für gründliche Pflege.
- Wir hatten noch nie ein Charterboot, auf dem alles funktioniert hat. Wirklich nie.
- Viele Crews behandeln das Boot wie einen Mietwagen: kalte Motoren auf 2 500 rpm, Winschen bis zum Knall, Interieur wie nach einem Studentenfest.
- Letztlich spielst du Bank für die Charterfirma: Du gibst ihr dein Geld zinslos, damit sie ihre Flotte vergrössern kann.
- Du kannst kaum Einfluss auf die Ausstattung nehmen – gekauft wird, was sich gut vermieten lässt, nicht was du später für die Langfahrt brauchst. Owner-Version mit drei Kabinen? Wird dir ausgeredet. Lieber vier Kabinen, «bessere Rendite».
Zum Schluss
Nur um das klarzustellen: Wir haben nichts gegen Charterfirmen die Charter Invest Modelle anbieten. Für manche passt dies perfekt, und es gibt Anbieter, die ihre Boote sichtbar besser pflegen als andere. Namen nennen wir hier lieber keine – wir möchten keine Post von Anwälten.
Aber eine Faustregel hat sich für uns bestätigt: Dort, wo du als Kunde mehr für deinen Charter zahlst, steckt meistens auch mehr Zeit (und Herzblut) in der Wartung der Boote. Und das spürt man – spätestens, wenn beim Auslaufen fast alles funktioniert.
