Seychellen, wir kommen!
Sechs Tage, 105 Seemeilen, eine Bali Catspace und wir drei – als Familie unterwegs zwischen Palmen, Riffen und Schildkröten. Ausgangspunkt war die Eden Island Marina auf Mahé – blitzblank, modern, aber beim Proviant lief’s nicht ganz rund. Wegen den Präsidentschaftswahlen hatten die Supermärkte geschlossen, und als wäre das nicht genug, galt während den Wahlen ein Alkoholverkaufsverbot. So mussten wir umdisponieren und haben uns auf dem lokalen Strassenmarkt mit Früchten und beim indischen Minimart mit dem Nötigsten eingedeckt. Wir sind also mit vollen Tanks, aber nur sechs Bieren in See gestochen. Zum Glück konnten wir später auf La Digue unseren Biervorrat wieder auffüllen – und haben kurzerhand in einem kleinen Laden den Kühlschrank leergeräumt.
Erster Stopp: Île Moyenne
Unser erster Ankerplatz lag vor der Île Moyenne, hübsch und grün – leider mit ordentlich Beschallung vom Club Med gegenüber. Links Trauminsel, rechts russisches Partyboot (es gibt immer eines). Trotzdem: ein schöner Start, perfekte Abendstimmung und das erste Gefühl von Freiheit.
La Digue – wo Postkarten entstehen
Von dort ging’s 27 Seemeilen nach La Digue. Ankern vor dem Hafen, mit dem Dinghy ans Dinghy Dock – sehr praktisch (bei der Einfahrt in den Hafen rechts halten und ganz hinten, hinter den Ausflugsbooten festmachen). Abends im Le Naturel beim Hafen gegessen: Barbecue vom Feinsten, frisch, saftig, sympathisch serviert.
Am nächsten Morgen Mietvelos geschnappt und los zur Anse Source d’Argent – der Strand, den jeder Seychellen-Kalender ziert. Und ja, er sieht in echt noch besser aus. Morgens noch fast menschenleer, dann plötzlich tauchen die ersten Tagestouren-Boote auf – Zeit zum Weiterziehen.
Félicité und Coco Island – wie im Aquarium
Am Montag segelten wir zur Île Félicité, wo ausser dem Six Senses Resort nichts ist – und genau das macht den Reiz aus. Direkt vor dem Riff geankert und geschnorchelt: Schildkröten, Rochen, hunderte Fische in allen Farben. Wow.
Mit dem Dinghy rüber nach Coco Island – wunderschön, aber zu viel Schwell zum Anlanden. Dafür kam gleich das Ranger-Boot vorbei: 200 SCR Parkgebühr pro Person, Kartenzahlung obligatorisch. Willkommen im Paradies 2.0.
Île Saint-Pierre und Anse Volbert
Dienstag war Schnorcheltag. Zwischenstopp bei der Île Saint-Pierre, einem Mini-Inselchen mit riesigem Fischreichtum. Schwimmen dort ist wie im Aquarium – surreal schön.
Später weiter nach Chauve-Souris bei Anse Volbert, Ankern über Nacht, Dinghy an den Strand, Abendessen bei Leo’s Takeaway. Plastikstühle, Papiergeschirr, aber ehrlich gesagt: besseres Essen als in manchem Restaurant.
Anse Lazio – schöner Segelwind, null Geschwindigkeit
Mittwoch: Kurs Anse Lazio, eine der bekanntesten Buchten Praslins. Endlich Wind – 17–22 Knoten, perfekt zum Segeln. Theoretisch. Praktisch segelte die Bali Catspace wie ein Betonklotz, und mit dem Bewuchs am Unterwasserschiff schafften wir bei 17 Knoten Wind gerade mal 3,5 Knoten Fahrt. Sobald der Wind nachliess, keine Ruderwirkung mehr – irgendwann reichte es, Motor an, Frustration da.
Zurück nach Mahé
Donnerstag ging’s Richtung Mahé. Erst Stopp bei der Anse Jasmin, aber wegen angekündigtem Schwell entschieden wir uns dagegen. Stattdessen Ankern in Beau Vallon – perfekte Wahl.
Freitag Rückkehr in die Marina. Und was für ein Einparken: zuhinterst in der Ecke des Docks, ein wenig böiger Seitenwind und weniger Platz als in Korcula (was etwas heissen will!). Ergebnis: alles gut gegangen – und die Fender waren ihr Geld wert.
Abends das absolute Highlight: Neben uns lag in der Marina eine supernette deutsche Familie, mit der wir uns während der Woche über Navily über Ankerplätze ausgetauscht hatten. Was für ein Zufall! Segelcommunity at its best.
Inselrundfahrt mit Christopher
Am Samstag war Checkout – und zum Abschluss eine private Tour über Mahé mit unserem Guide Christopher. Ein wandelndes Lexikon mit Humor und Herz. Er zeigte uns Victoria, eine Teefabrik, wunderschöne Buchten und natürlich die Takamaka-Rum-Distillerie. Zum Abschied drückte er uns Brotfrucht-Chips in die Hand mit den Worten:
“If you eat breadfruit, you will come back, they say.”
Und Christopher hat wohl recht: Wir kommen wieder.
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Fazit
Die Seychellen sind wie aus dem Katalog – nur echter.
Kristallklare Buchten, relaxte Menschen, fantastische Natur und keinerlei Tiere, die dich umbringen wollen (looking at you, Australia!).
Ein Revier, das man nie mehr vergisst – und sicher nicht zum letzten Mal besucht.
Lessons learned
- Auch mit sechs Bieren kann man gut lossegeln – Hauptsache, man weiss, wo Nachschub wartet.
- Eine Bali Catspace segelt mit Bewuchs wirklich wie eine Tonne.
- Die Seychellen sind traumhaft und «back to basics», aber Park Ranger akzeptieren nur Karte.
- Bei Seglern gilt: Man trifft sich immer zweimal – spätestens im nächsten Ankerfeld.
- Und ja: Brotfrucht scheint tatsächlich magische Rückkehr-Kräfte zu haben.
