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    Exumas: Schweine, Stürme und ein Mickey-Mouse-Anker
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    Exumas: Schweine, Stürme und ein Mickey-Mouse-Anker

    Exumas, The Bahamas

    Dezember 2025. Unser letzter Chartertörn, bevor wir unser eigenes Boot übernehmen. Weihnachten auf den Bahamas, zu dritt als Familie. Latent dekadent.

    Bis hierhin hatten wir vor allem im Mittelmeer Erfahrung gesammelt. Dazu kam im Oktober unser Törn auf den Seychellen, der uns gezeigt hat, dass es sich auch ausserhalb Europas ziemlich gut segeln lässt. Aber die Karibik – das war für uns Mittelmeer-Anfänger immer dieser verheissungsvolle, fast mystische Ort. Türkiser. Wärmer. Wow-iger.

    Weil wir davon träumen, Ende 2027 mit unserer MOJO über den Atlantik in die Karibik zu segeln, wollten wir uns vorher schon mal einen «Sneak Preview» gönnen. Nicht zwei Jahre warten, sondern jetzt schon mal reinschnuppern. Und sehen, ob uns das überhaupt gefällt.

    Der Törn auf den Exumas sollte also der krönende Abschluss unserer «Charter-Karriere» werden.

    Sollte.

    Die Exumas in Kürze

    Die Exumas sind eine Kette von über 360 Inseln und Cays (Aussprache: wie «Keys»), die sich südöstlich von Nassau über rund 200 Kilometer durch die Bahamas ziehen. Die meisten davon sind unbewohnt. Das Wasser ist so klar, dass man den Anker auf dem Grund liegen sieht, selbst bei vier oder fünf Metern Tiefe. Der Exumas Land and Sea Park, einer der ältesten Meeresnationalparks der Karibik, schützt einen grossen Teil des Gebiets. Gesegelt wird vor allem zwischen Nassau und Staniel Cay – ein Revier, das bekannt ist für seine schwimmenden Schweine, Leguane, Ammenhaie und spektakuläre Unterwasserwelt. Aber auch für seine flachen Gewässer und die Tatsache, dass man hier wirklich wissen sollte, wohin man fährt und wieviel Wasser man dort noch unter dem Kiel hat.

    Fakten zum Törn

    • 20.12.–27.12.2025

    • 140 Seemeilen

    • Crew: Sarah, Roger & Leo

    • Boot: Bali Catspace Owner Version «Pürrseverance» (ja, mit Umlaut – obwohl in London registriert)

    • Route: Palm Cay Marina (Nassau) → Shroud Cay → Hawksbill Cay → Staniel Cay → Warderick Wells → Highbourne Cay → Allan's Cay → Palm Cay Marina

    Von der Schweiz in die Karibik – der Umweg

    Von der Schweiz auf die Bahamas zu kommen, ist kein Direktflug-Vergnügen. Die Optionen: über London (zu teuer), über die USA (ähm, nein Danke, zurzeit lieber nicht) oder über Kanada. Passt. Also Air Canada, Zürich–Toronto.

    In Toronto trafen wir uns abends mit einem lieben Freund, den wir seit Jahren nicht gesehen hatten. Krasser Kontrast: Wir in leichter Karibik-Kleidung, draussen minus sieben Grad. Für Einheimische ein milder Dezemberabend. Für uns Grund genug, das Hotel nicht mehr zu verlassen zu wollen.

    Am nächsten Tag weiter nach Nassau. Willkommen im Paradies.

    Proviant und Bootsübernahme – angenehm überrascht

    Dieses Mal waren wir schlauer als auf den Seychellen und hatten den kompletten Proviant vorbestellt – bei Solomon's Yamacraw in Nassau. Sehr empfehlenswert. Kleiner Tipp: Der Onlineshop funktioniert aus der Schweiz nur über VPN.

    Abends dann die Bootsübernahme. Und hier die erste positive Überraschung: Die «Pürrseverance» (was für ein Name) war trotz Baujahr 2022 in erstaunlich gutem Zustand. Für ein Charterboot, das normalerweise nach drei Jahren nur noch ein Schatten seiner selbst ist, war das bemerkenswert. Auch das Unterwasserschiff: glatt wie ein Baby-Popo. Im Gegensatz zu den Seychellen, wo der Bewuchs am Rumpf uns zur schwimmenden Korallenfarm gemacht hatte.

    Zweite Überraschung: Alle Systeme funktionieren. Wirklich alle. Ich werd bekloppt.

    Dritte Überraschung: Ein echtes Kartenbriefing. Dass wir das noch erleben dürfen. Bei Charterfirmen wird zwar immer ein «ausführliches technisches Briefing und Kartenbriefing» angepriesen. Die Realität war bisher: ein minimales technisches Briefing und nix mit Karten. Auf den Exumas wird die Sache offenbar ernster genommen – und das zu Recht. Das Revier ist flach, die Gezeitenströme sind stark, und wer hier ohne Vorbereitung losfährt, sitzt schneller auf Grund als ihm lieb ist. Nette Basis, motiviertes Team, kompetentes Briefing. I like!

    Tag 1: Palm Cay → Shroud Cay – und warum karibische Minuten länger sind

    Am nächsten Morgen wollten wir früh los. Punkt acht Uhr ablegen, 42 Meilen auf dem Programm, also sieben bis acht Stunden Fahrt. Ausserdem wussten wir, dass das Wetter gegen Abend schlechter wurde und sich für die nächsten Tage ein Sturm ankündigte.

    Leider gab es morgens kein Gas. Kein Gas = kalte Küche. Das ist ein Showstopper.

    Es hiess dann: «In fifteen minutes.» Aber halt karibische Minuten. Erst kurz nach elf Uhr hatten wir die heiss ersehnte Gasflasche an Bord und legten endlich los. Drei Stunden verloren.

    Draussen 15 Knoten Wind – eigentlich Grund zur Freude, wäre er nicht mit 30–40 Grad von vorne gekommen. Für eine Mono durchaus machbar, für einen Katamaran – besonders eine Bali – ein No-Go. Da wir keine Zeit zum Kreuzen hatten: Motoren an, Drehzahl hoch. Um 11:30 dann wenigstens die Fock raus und bei 2000 RPM auf den Motoren knapp 8 Knoten Motorsegeln. Absolute Dieselverschwendung, aber wir mussten die verlorene Zeit gutmachen und wollten unbedingt vor Sonnenuntergang in der Ankerbucht sein.

    Hat geklappt: Gegen 17 Uhr waren wir in Shroud Cay. Die Bucht war schon gut voll – hauptsächlich Langfahrer. Unter deren kritischem Blick brauchten wir drei Ankerversuche. Warum haben Charterfirmen eigentlich immer diese Spielzeuganker? Und dann nur 100 Fuss Kette – das sind etwas über 30 Meter. Klar, die Kettenlänge reicht auf den Exumas grundsätzlich, die Wassertiefen sind ja gering. Aber wir haben trotzdem mantramässig wiederholt, wie sehr wir uns auf den 39-Kilo-Mantus-Anker und die 100 Meter Cromox-Kette auf unserem eigenen Boot freuen.

    Egal, irgendwann sass der Anker und wir durften das wohlverdiente Ankerbier öffnen. Schöne Aussicht – und ein paar Bootslängen entfernt lag die HuiHui, ein sympathisches deutsches Paar auf einer Nautitech, dem wir auf YouTube folgen. Aber wir wollten nicht fanboymässig stören und haben sie in Ruhe gelassen.

    Shroud Cay → Hawksbill Cay – der Sturm und der Mickey-Mouse-Anker

    In der Nacht frischte der Wind auf 25 Knoten auf. Dazu kam unangenehmer Schwell, der das Boot ordentlich rollen liess. Nicht gerade die erholsamste Nacht. Über Funk hörten wir am nächsten Morgen, dass es in Hawksbill Cay Bojen gibt und es dort überhaupt nicht «rolly» sei. Das klang nach einem weitaus besseren Platz zum Abwettern – denn an eine Weiterfahrt war bei diesem Wind und dieser Welle sowieso nicht zu denken. Ja, wir sind Memmen. Aber lebende Memmen.

    Die Entscheidung war richtig. Über Nacht in Hawksbill: 33 Knoten Wind. Aber die Boje hat gehalten, und wir waren froh, nicht mehr am Anker zu liegen. Klar, auch einer Boje kann man nicht blind vertrauen. Aber immer noch mehr als einem CQR-Spielzeuganker, den wir liebevoll «Mickey-Mouse-Anker» getauft hatten.

    Hawksbill Cay → Pig Beach → Staniel Cay – Schweine, Haie und James Bond

    Am dritten Tag ging es endlich weiter. Immer noch viel Restwelle und rund 20 Knoten Wind fast direkt auf der Nase. Wir hatten eine Reservierung in der Staniel Cay Marina und wollten unterwegs noch einen Stopp am Pig Beach auf Big Major Cay einlegen. Also schon wieder keine Zeit zum Kreuzen, schon wieder sieben Stunden unter Motoren. Macht keinen Spass.

    Unterwegs kamen wir an der «Seven Seas» vorbei – einer der grössten Superyachten der Welt, 86 Meter lang, gebaut für den Milliardär Steven Spielberg. Liegt da einfach so vor Anker. Ein krasser Grössenunterschied, wenn man auf einer 40-Fuss-Bali daran vorbeituckert.

    Um 13 Uhr waren wir an Pig Beach. Und obwohl die Ankerbucht ziemlich voll war, waren wir am Strand zu unserer grossen Überraschung die Einzigen. Wir und zwei Dutzend Schweine.

    Was für ein magisches Erlebnis. Exakt wie im Prospekt – ausser dass die Viecher erstens riesig sind und zweitens stinkfrech. Beim Kartenbriefing hatte uns der DYC-Typ schon vor dem schwarz-weissen Schwein gewarnt: besonders frech, Eckzähne messerscharf. Jup, stimmt. Das Tier wog locker 200 Kilo und setzte sein ganzes Kampfgewicht ein, um unseren Traubenvorrat zu plündern. Aber trotzdem eine einmalige Erfahrung. Genau so stellt man sich die Exumas vor.

    Danach nochmal Anker hoch und die zwei Seemeilen ums Kap in die Staniel Cay Marina. Staniel Cay ist so etwas wie die inoffizielle Hauptstadt der Exumas – ein winziger Ort mit grosser Geschichte. Hier liegt der berühmte Staniel Cay Yacht Club, wo einst die Crew von «Thunderball» feierte. Ja, James Bond war hier. Und ja, die Bar sieht immer noch so aus, als hätte sich seit 1965 nicht allzu viel verändert.

    Aber vor dem Feiern mussten wir anlegen. Und es war eng. Verdammt eng. Hat dann aber sehr gut geklappt, obwohl wir feststellen mussten, dass man uns weder am Funk noch beim Anlegen verstehen wollte. Kontext: Sarah und ich sprechen wirklich nicht schlecht Englisch. Eigentlich sogar sehr gut. In unserer Firma, die wir vor dem Segelleben hatten, war Englisch die alltägliche Bürosprache. Aber für die Bahamians müssen wir getönt haben wie der «Is cool Man Opa» aus der Milka-Werbung der Neunzigerjahre. Dazu kommt: Auf den Bahamas werden beim Anlegen offenbar für alles Palsteks genutzt. Wir nehmen die Leinen normalerweise lieber zurück aufs Boot und belegen alles mit Kopfschlag. Auch das sorgte für ein paar kurze, sprachbedingte Missverständnisse mit den Marineros, wo wir aneinander vorbeiredeten. Sprachlicher Confidence-Level danach bei uns: -1. Aber dafür Skipper-Confidence +1.

    Nach dem Anlegen schnell mit dem Dinghi in die legendäre Thunderball Grotto rübergefahren – eine Unterwasserhöhle, die durch den gleichnamigen Bond-Film berühmt wurde. Und auch hier: wir waren alleine. Wow. An Weihnachten, in der Peak Season. Die Strömung dort war allerdings verdammt stark, und am Nachmittag dringt weniger Licht rein als am Mittag. Trotzdem eindrücklich. Tipp: Geht wohl besser über Mittag hin, wenn das Licht von oben in die Grotte scheint.

    Dann endlich ab in den Staniel Cay Yacht Club. Auf dem Weg dorthin direkt unter dem Steg der Marina: Ammenhaie. Andernorts zahlen Touristen dafür Ammenhaie von so nah zu sehen. Hier gibt's die gratis.

    Im Yacht Club zwei Cocktails und ein leckeres Abendessen. Gefühlt zum dritten Mal Hummer und Conch – aber hey, man muss die Chancen nutzen. Auch hier mussten wir alles zwei- oder dreimal wiederholen. Da kommen schon leise Selbstzweifel an den eigenen Englischkenntnissen auf.

    Am nächsten Morgen ein kurzer Gang in den Supermarkt (Brot) und in den Souvenir-Shop des Yacht Clubs. Ein T-Shirt: 80 USD. Ächz.

    Staniel Cay → Warderick Wells – endlich segeln (ein bisschen)

    Staniel Cay war der südlichste Punkt unseres Törns. Und genau hier spürt man die Grenzen eines Chartertörns: Du hast eine Woche, du musst am Freitag zurück in der Marina sein. Kein Spielraum, kein Entdecken nach Lust und Laune. Wie sehr wir uns darauf freuen, auf Langfahrt zu sein und nicht mehr in Wochenintervallen planen zu müssen.

    Also zurück Richtung Nordwesten. Und endlich – endlich! – brauchbarer Wind von achtern. Gross und Genua raus und zum ersten Mal auf diesem Törn richtig segeln. Auch wenn es nur zwei, drei Stunden waren: herrlich. Irgendwann ging der Wind auf 10 Knoten zurück (Motorsegeln), dann schlief er komplett ein. Zum Glück nur 45 Minuten unter Motoren, dann waren wir auch schon in Warderick Wells.

    Der Exumas Land and Sea Park hat seinen Verwaltungssitz in Warderick Wells. Es ist einer der ruhigsten und schönsten Ankerplätze im ganzen Revier – eine geschützte Bucht zwischen niedrigen Hügeln, umgeben von unberührter Natur. Festmachen ist hier nur auf den offiziellen Mooring-Bojen erlaubt, um den Meeresboden zu schonen.

    Leider haben wir nur noch eine der grossen Bojen am Eingang ergattert. Tipp: Unbedingt morgens ab 9 Uhr anfunken. Die haben dort eine riesige Antenne und hören dich sicher schon, wenn du noch 10–15 Meilen entfernt bist. Wir waren erst um 14 Uhr da und haben eine Meile vor der Einfahrt das erste Mal aufgerufen. Kapitaler Fehler.

    Egal. Mit dem Dinghi an Land und hoch zum Boo Boo Hill. Der Hügel ist unter Langfahrtseglern fast so etwas wie ein heiliger Schrein: Crews hinterlassen hier seit Jahrzehnten Treibholzstücke mit dem Namen ihres Bootes – als Glücksbringer und Erinnerung. Der Legende nach bringt es Unglück, sein Holz wieder mitzunehmen. Die Parkverwaltung scheint von dieser Müllhalde allerdings weniger begeistert zu sein – im offiziellen Parkplan war Boo Boo Hill mit keinem Wort erwähnt. Uns hat es trotzdem gefallen.

    Am Abend haben wir in der Bucht ein kleines bisschen Weihnachten gefeiert. Ja, es gibt tatsächlich Menschen, die das schon an Heiligabend machen – zum Beispiel wir.

    Warderick Wells → Highbourne Cay – Flugzeugwrack, Dinghipanne und kein Weihnachtshummer

    Am ersten Weihnachtsfeiertag ging es weiter Richtung Highbourne Cay. Tagesziel: eine Ankerbucht vor der Insel. Wir hatten für das Weihnachtsessen im «Xuma» reserviert – dem Restaurant der Highbourne Cay Marina. In der Marina selbst wollten wir allerdings nicht liegen: 800 Dollar für eine Nacht. Man kann aber problemlos mit dem Dinghi von der Ankerbucht ums Eck zur Marina fahren.

    Aber Moment – beinahe hätten wir noch etwas unterschlagen. Auf dem Weg nach Highbourne wollten wir das berühmte Flugzeugwrack direkt vor der Insel erschnorcheln. Die Maschine liegt in nur wenigen Metern Tiefe und gehört zur Legende der Drogenschmuggler der 1980er-Jahre – Pablo Escobar, Medellín-Kartell, die ganze Geschichte. Bucket List.

    Weil die Strömung im Channel aber ziemlich stark war (immer noch Mickey-Mouse-Anker, remember) entschied Roger, an Bord zu bleiben. Sarah und Leo fuhren mit dem Dinghi los. Leider verreckte der Dinghimotor – über die genauen Gründe schweigen wir uns hier diskret aus, gell Sarah. Was folgte, war eine lustige Ruderpartie gegen die Strömung zurück zum Boot. Zuerst sah es so aus, als würde die Strömung gewinnen. Aber die beiden haben es geschafft. Knapp. Und unter besorgter Beobachtung eines Motorbootes, das gerade durch den Channel fuhr und anhielt, um die beiden anzufeuern.

    Später dann doch noch zu dritt mit dem wieder laufenden Motor zum Wrack. Sohn raus, Taucherbrille auf, GoPro an. Bucket List: erledigt.

    Abends dann ein traumhaftes Weihnachtsessen im Xuma (for a change: heute kein Hummer). Am Nebentisch sass ein älteres Schweizer Paar, das mit einer Xquisite 54 neben uns geankert hatte. Ein wunderschöner Katamaran, der aber laut ihren Aussagen eigentlich etwas unpraktisch ist, um ihn nur zu zweit zu bewegen. Die beiden waren schon seit 15 Jahren in der Karibik unterwegs. Tolle, lehrreiche Bekanntschaft.

    Sie haben uns einen Rat mit auf den Weg gegeben, den wir verinnerlichen werden:

    Wenn sie sich in seglerischen Fragen (Sollen wir reffen? Bleiben wir heute im Hafen um abzuwettern? Haben wir genug Ankerbier intus?) uneinig sind, hat bei ihnen immer die vorsichtigere Person der beiden recht.

    Fanden wir cool und werden wir wohl so übernehmen. Obwohl das bei uns bedeutet, dass einfach immer Sarah recht haben wird. Mpf.

    Highbourne Cay → Allan's Cay → Palm Cay – Leguane, Delfine und Schluss

    Am nächsten Morgen in einer Stunde von Highbourne nach Allan's Cay. Unterwegs junge Delfine gesehen, die spielten. In Allan's Cay geankert, um die berühmten Bahamas-Leguane zu besuchen. Urzeitliche Viecher, die dich aus sicherer Distanz mustern – oder du sie. Wir waren allerdings nicht lange allein: Zwei Touristenboote kaperten den Strand. Immerhin hat der nette Touristenbootfahrer ein Familienfoto von uns gemacht. Und er hat sogar verstanden, was ich gesagt habe. Vertrauen in die Menschheit: wiederhergestellt.

    Um 09:30 Anker hoch und 30 Meilen zurück nach Palm Cay Marina. Und hier nochmal ein Highlight des DYC-Service: Auf den Exumas wird man bei der Einfahrt zur Marina mit einem Dinghi abgeholt, und ein Mitarbeiter fährt den Kat erst zur Tankstelle und dann ans Dock. Krasser Service – aber vermutlich auch Selbstschutz. Damit die Charterkunden nicht in der letzten halben Stunde das Boot doch noch schrotten.

    Nassau – Food Tour und letzte Tage

    Abends Boot ausräumen und Umzug in ein Airbnb in Nassau für die letzten zwei Nächte vor dem Heimflug. Am nächsten Tag eine geführte Food Tour durch Nassau. Und wie schon auf den Seychellen mit Christopher hatten wir auch hier Glück: lustiger Führer, und weil die restlichen Gäste No-Shows waren, hatten wir eine Privattour. Scheint unser Ding zu sein.

    Fazit – Karibik-Realität vs. Karibik-Traum

    Was soll man sagen. Oft im Leben ist es so: Wenn du nichts erwartest, wirst du positiv überrascht. Wenn du extrem auf etwas hinfieberst, wirst du mitunter eher enttäuscht.

    Uns persönlich haben die Bahamas – Nassau und die Exumas – nicht wirklich umgehauen. Vor allem nicht im Vergleich zu den Seychellen, die einfach perfekt waren. Viele Bahamians wirken, um es auf Schweizerdeutsch zu sagen, etwas «abgelöscht» – sinngemäss: gleichgültig, ausgebrannt, ohne echtes Interesse. Und man kann es ihnen kaum verübeln. Wenn jeden Tag mehrere Kreuzfahrtschiffe anlegen und Touristen deine Insel fluten, stumpft das halt ab. Ausserdem muss man sich auch weniger Mühe geben, wenn überall amerikanische Touristen mit Geld um sich werfen.

    Und dann das Essen. Wir hatten naiverweise richtig leckere kreolische Küche erwartet. Aber auf den Bahamas scheint man so ziemlich alles zu frittieren. Conch Fritters? Ja, die sind geil. Aber beim fünften Mal ist es irgendwann auch genug.

    Seglerisch hatten wir mit dem Wetter wohl einfach Pech. Das Revier selbst ist wunderschön – das Wasser hat diese unwirkliche Klarheit, die Inseln sind wild und unberührt, und es gibt diese Momente, in denen du dich fühlst wie in einer anderen Welt. Die Gezeiten und flachen Gewässer machen das Segeln anspruchsvoller als im Mittelmeer, und die Strömungen in den Cuts zwischen den Inseln sind nicht zu unterschätzen.

    Aber unser Exumas-Törn war nur eine kleine Momentaufnahme – eine Woche im Dezember, mit Wetterpech und einem Charterboot. Das ist nicht repräsentativ für die ganze Karibik. Wir freuen uns auf jeden Fall darauf, noch viel mehr zu entdecken. Aber wir haben es nicht mehr ganz so eilig.

    So viel steht aber fest – falls wir jemals zwischen Seychellen und Exumas entscheiden müssen: zu 100 Prozent die Seychellen.

    Und: Im Mittelmeer ist es echt auch gar nicht so schlecht. Da gibt es endlos viel zu entdecken, das wir noch nicht gesehen haben. Deshalb freuen wir uns sehr, dass unser Langfahrt-Abenteuer im Februar 2026 beginnt – und zwar genau dort. Naja, sobald wir die 1000 Seemeilen durch die Biskaya und rund um Portugal rum geschafft haben.

    Lessons learned

    • Proviant vorbestellen spart Nerven. Solomon's Yamacraw in Nassau – empfehlenswert, Onlineshop nur via VPN aus Europa.

    • «In fifteen minutes» auf den Bahamas heisst: irgendwann heute. Vielleicht.

    • 100 Fuss Kette reicht rechnerisch auf den Exumas. Emotional nicht.

    • Schwimmende Schweine sind grösser, frecher und hungriger, als jedes Foto vermuten lässt.

    • Wenn du in Warderick Wells eine gute Boje willst: früh funken, nicht erst eine Meile vorher.

    • Der Staniel Cay Yacht Club ist legendär. Die T-Shirt-Preise auch.

    • Bahamas-Englisch ist eine eigene Sprache. Akzeptiere es.

    • Der zweitklügste Segel-Ratschlag, den wir je bekommen haben: Die vorsichtigere Person hat immer recht.

    • Hummer ist fantastisch. Bis zum fünften Mal.

    • Hohe Erwartungen sind der natürliche Feind jeder Reise. Oder wie es so schön heisst: Der Weg ist das Ziel. Und unser Weg führt jetzt erstmal ins Mittelmeer.