Ankommen in Athen – ab in die Hitze
Startpunkt war die Marina Alimos in Athen. Wer im Juli in Griechenland lossegeln will, sollte zwei Dinge einplanen: Wasser. Und noch mehr Wasser. Schon beim Proviantieren merkst du, dass du nicht in der Nordsee bist, sondern in einem schwimmenden Pizzaofen. Aber dafür ist das Wasser danach halt auch so blau, wie du es nur aus Ferienbroschüren kennst.
Wir übernehmen unsere Fountaine Pajot Astréa 42, Baujahr 2021, Rufname «NARNIA». Guter Zustand, Ausstattung stimmig, alle Systeme laufen. Und wie immer die grosse Frage am Anfang eines Törns: Wer schläft wo, wer kocht wann, und wer berührt welches Navigationsdisplay ohne Erlaubnis. Die Crew besteht aus fünf Menschen mit unterschiedlichem Temperament und gleichem Ziel: Meer, Spass, Essen.
Leinen los, raus aus Alimos, Kurs Richtung Kanakia.
Erste Etappe Richtung Kanakia / Apolimano – ankommen im Rhythmus
Die erste Etappe ist immer zum Reinkommen: Mann über Bord Manöver im Kopf durchspielen, wer traut sich zuerst ins Wasser, was knarzt wo im Boot, wie verhält sich das Schiff unter Motor, wie unter Segel.
Kanakia und Apolimano (beides Spots auf Salamina und rundherum) sind nicht unbedingt die spektakulärsten Postkartenbuchten des Törns, aber sie haben etwas sehr Wichtiges: du bist weit genug weg vom Lärm Athens, aber noch nah genug dran, dass du im Notfall in ein bis zwei Stunden wieder in der Zivilisation bist. Ideal für Tag eins, ideal um Crew und Schiff aufeinander einzustellen.
Und: erste Bade-Session. Sobald der Anker wirklich sitzt, sind alle im Wasser. Sommersegeln in Griechenland heisst sowieso: Du bist entweder am Steuern, am Schwitzen oder am Schwimmen. Alles andere ist Nebensache.
Poros – Hafenkino inklusive
Nächster grösserer Stopp: Poros.
Poros ist einer dieser Orte, wo du denkst: Das ist eigentlich viel zu schön, um echt zu sein. Der Hafen ist lebendig ohne komplett chaotisch zu sein, die Häuser stapeln sich farbig den Hang hoch, und abends riecht einfach alles nach Grill, Meer und Diesel.
Und dann dieses klassische Hafenkino: Ankommen, rückwärts anlegen, hoffen dass der Anker hält, hoffen dass der Nachbar seinen Anker nicht über deinen gelegt hat, hoffen dass niemand filmt. In Poros schaut immer jemand zu. Das gehört dazu.
Abends raus, Essen mit Blick aufs Wasser, Crew entspannt, Stimmung gut. Man merkt, wie schnell sich nach Tag zwei jeder in seine Rolle findet. Es gibt immer jemanden, der ohne Worte das Dinghy übernimmt. Jemanden, der den Überblick über die Leinen hat. Und jemanden, der so tut, als hätte er nie geschlafen, aber spätestens um halb elf wegknickt.
Dokos – Ruhe, Felsen, Ankern unter Sternen
Von Poros weiter nach Dokos.
Dokos ist das Gegenteil von Hafenleben. Dokos ist runterkommen. Kein Jetset, keine Promenade, keine Tavernen im Fünfminutentakt. Stattdessen Felsen, trockene Hänge, Wasser in verschiedenen Blautönen und das Gefühl, endlich wirklich draussen zu sein.
Ankern vor Dokos heisst: Du bleibst an Bord, du kochst selber, du schaust in den Himmel und findest wieder raus, wie viele Sterne es eigentlich gibt, wenn nicht jede zweite Bucht von einem Beach Club beschallt wird.
Und ab diesem Punkt stellt sich dieser spezielle Törn-Moment ein: Du schaust auf die Crew, auf das Boot, auf die Bucht, und du weisst – genau deswegen machst du das.
Perdika – Tavernen, Sonnenuntergang, kurz wieder unter Leuten sein
Der nächste Stopp heisst Perdika.
Perdika liegt an der Südwestküste von Aegina und ist so ein bisschen die griechische Idealvorstellung von «Fischerdorf trifft Sonnenuntergang trifft Taverne direkt am Wasser». Du kannst entweder vor dem Ort ankern und mit dem Dinghy rüber oder längsseits anlegen, wenn Platz ist.
Das Ding an Perdika: Du bist wieder nah bei Menschen. Nach der Ruhe von Dokos fühlt sich das fast laut an. Aber es hat Charme. Kleine Tavernen, Tische direkt am Kai, Fisch vom Grill, Salat mit zu viel Feta (gibt es «zu viel Feta»?), Wein ohne Etikett aber mit Charakter.
Das ist auch der Moment im Törn, wo alle langsam braun sind, die Laufwege an Bord blind funktionieren und niemand mehr fragt, wo die Stirnlampe ist.
Zurück Richtung Athen über Salamina
Der letzte Teil der Route führt zurück Richtung Alimos, via Salamina.
Salamina ist nicht der glamouröseste Ort der Woche, aber logistisch praktisch. Du bist nah genug an Athen, um am nächsten Tag entspannt in die Marina zurückzugehen, aber du liegst nicht schon in der Stadt. Es ist der Vorabend des Abschieds, der letzte gemeinsame Sonnenuntergang an Deck, die letzte «Weisst du noch, als…»-Runde.
Und dann kommt der Moment, den niemand mag: aufräumen, Tanks, Wassertanks, Müllsäcke, nasse Badetücher, verlorene Sonnenbrillen, der eine Charger, der allen gehört.
Zurück in Alimos – und plötzlich wieder Beton
Dann ist da dieser harte Kontrast: Raus aus dem Saronischen Golf, rein zurück in die Marina Alimos. Beton, Hupen, Verkehr, Baustellenlärm. Zwei Tage vorher hast du Delfine gesucht, jetzt suchst du den nächstbesten Müllcontainer.
Abgeben, auschecken, letzte Fotos mit dem Boot. Und dieser bittersüsse Satz: «War gut.»
Fazit
142 Seemeilen in sechs Tagen klingt nach Ferien. 30 Stunden und 45 Minuten Fahrtzeit sagt die Realität. Es war heiss, es war eng, es war perfekt.
«NARNIA», unsere Astréa 42, hat uns sauber durch den Saronischen Golf gebracht. Die Crew hat funktioniert. Niemand ist über Bord gegangen. Keiner hat das Boot dekoriert. Und alle hatten am Schluss dieses leicht zufriedene, leicht müde Grinsen.
Genau so muss ein Sommertörn sein.
Lessons learned
- Juli in Griechenland ist nichts für Leute, die kühle Luft mögen. Dafür ist das Wasser eine Klimaanlage.
- Poros zeigt dir gnadenlos, wie gut dein Anlegemanöver wirklich ist.
- Dokos ist der Ort, an dem du wieder weisst, warum du das Meer liebst.
- Perdika ist gefährlich, wenn du hungrig bist. Du bestellst immer zu viel.
- 5 Leute auf einer 42-Fuss Fountaine Pajot geht problemlos – solange klar ist, wer die Ankerwache hat und wer den letzten sauberen Löffel versteckt.
- Am Ende erinnern sich alle an dieselben zwei Dinge: gemeinsam essen, gemeinsam ankern. Der Rest ist Statistik.
Fakten zum Törn
19.–26.07.2025
Route: Alimos (Athen) – Kanakia – Apolimano – Poros – Dokos – Perdika – Salamina – Alimos
Boot: Fountaine Pajot Astréa 42 (2021), Name «NARNIA»
Crew: Ben, Urs, Leo, Sarah, Roger
6 Tage auf See
142 Seemeilen
30:45 h Fahrtzeit insgesamt
