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    Kroatien im Mai – zwei Leute, ein Boot, Wasser in der Bilge
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    Kroatien im Mai – zwei Leute, ein Boot, Wasser in der Bilge

    Trogir, Croatia

    Zwei Leute, ein Katamaran


    Ende Mai 2025 sind wir zum ersten Mal wirklich short-handed gefahren. Kein Freundeskreis, keine Familiencrew, keine zusätzliche helfende Hand – nur wir zwei an Bord: Sarah und Roger. Boot: eine Bali Catsmart namens «La Vie En Bleu», die am Funk in Kroatien konsequent als «La Wi Än Blu» angesprochen wurde.

    Die Catsmart ist im Vergleich zu grösseren Charter-Kats eher klein und segelt (wie alle Balis) eher wie eine Tonne. Aber für zwei Personen hast du mehr als genug Platz. Für uns war das ehrlich gesagt perfekt: überschaubar, gut handelbar, du hast nicht das Gefühl, ein schwimmendes Haus manövrieren zu müssen.

    Das Boot war allerdings nicht gerade im Vorzeigestatus. In der Backbord-Bilge stand Wasser, die elektrische Bilgenpumpe war tot. Der Techniker zuckte mit den Schultern und meinte nur: «You have a manual pump.»

    Nicht unbedingt das Briefing, das man hören möchte, bevor man ablegt.

    Wir sind trotzdem rausgefahren. Mit einem leicht mulmigen Gefühl, aber mit dem Plan, die Bilge ständig im Auge zu behalten, immer wieder zu prüfen und im Zweifel umzudrehen. Am Ende ist alles gut gegangen. Und genau deswegen war dieser Törn wichtig für uns: Wir wissen jetzt, dass wir zu zweit funktionieren.


    Fakten zum Törn

    • 24.05.–31.05.2025
    • 186 Seemeilen gesamt
    • 39 Seemeilen unter Segeln
    • Rest unter Motor
    • Crew: Sarah & Roger

    Boot: Bali Catsmart «La Vie En Bleu»

    Route: Marina Baotić (Trogir) – Boje vor Konoba Arsenol – Korčula (ACI Marina) – Pomena (Mljet) – Skrivena Luka – Richtung Norden bei angesagtem Schlechtwetter – Palmižana (Pakleni-Inseln) – zurück nach Marina Baotić



    Trogir Marina Baotić – und ein Bojenmanöver, über das wir nicht reden


    Gestartet sind wir in der Marina Baotić bei Trogir. Übergabe, Check der Technik, erste Kontrolle der Bilge (immer noch Wasser, immer noch keine funktionierende Pumpe, immer noch «you have a manual pump»).

    Dann raus und an eine Boje in der Bucht vor der Konoba Arsenol.

    Das Boje-Aufnehmen… äh … sagen wir, es war nicht unser schönster Moment. Wir hüllen uns dazu einfach in Schweigen. Wichtig ist: Am Schluss hing das Boot an der Boje, es blieb da, wo es bleiben sollte, und niemand ist ins Wasser gefallen. Das zählt.



    Korčula – eng, voll, aber absolut machbar


    Am nächsten Tag ging es weiter nach Korčula, genauer in die ACI Marina Korčula. Da ist Reservieren Pflicht, weil es dort eigentlich immer voll ist. Wir hatten reserviert, ein anderes Boot vor uns nicht. Das andere Boot wurde abgewiesen. Wir wurden am Funk aufgerufen und durften rein. Mit Grinsen.

    Und eng ist es dort. Richtig eng. Seitlicher Wind, wenig Platz, Publikum an Deck der Nachbarboote. Aber: Die Marineros sind entspannt, professionell und schreien dich nicht an, solange sie sehen, dass du nicht völlig planlos bist.

    Unser Trick beim Anlegen in engen Häfen: gelassen bleiben, sich Zeit lassen, keine Hektik. Oder wie uns einmal ein kroatischer Skipper gesagt hat:

    «If you hit it, hit it slow.»

    Seitdem ist das unser Motto.

    Was auch hilft: Funk-Kopfhörer. Diese Dinger, die alle «marriage savers» nennen. Auch wenn man nicht verheiratet ist – sie sind Gold wert. Kein Gebrüll quer durchs Cockpit, keine Missverständnisse beim Rufen von Distanzen. Du redest leise und man hört dich einfach.



    Pomena auf Mljet – festmachen, essen, glücklich sein


    Nächster Tag: Weiter nach Pomena auf Mljet. Dort kannst du direkt an den Steg der Konoba Ribar gehen. Du wirst beim Anlegen geholfen, bekommst Strom und Wasser, und am Abend isst du dort. Einfach, klar, herzlich.

    Unser Anlegemanöver dort war ehrlich gesagt richtig schön. Ruhig reingefahren, sauber abgesetzt, Leinen rüber, fertig. Der Wirt, Marin, war super sympathisch. Kein Show, kein Stress, keine Charter-Abzocke-Energie. Pomena selbst war Ende Mai noch ruhig, fast verschlafen. Klare Luft, klares Wasser, Pinien, keine Protzboote, null Hektik.

    Wenn uns jemand fragt, ob wir das empfehlen würden: ja. Eigentlich würde man so etwas gern geheim halten, aber sind wir ehrlich – jeder erzählt es eh weiter.



    Skrivena Luka – nett, aber nicht ganz unser Ort


    Danach weiter nach Skrivena Luka (auch bekannt als Porto Rosso) auf Lastovo. Du machst am Schwimmsteg fest, alles unkompliziert, preislich nicht daneben. Es gibt ein Restaurant direkt am Steg, das viele Crews ansteuern.

    Für uns persönlich hat es sich trotzdem nicht ganz richtig angefühlt. Kein konkreter Fehlgriff, einfach nicht ganz unser Vibe. Passiert. Nicht jeder Spot muss ein Lieblingsspot sein.



    Schweres Wetter angesagt – und dann halb so wild


    Für den folgenden Tag war «schweres Wetter» im Forecast. Also haben wir das Boot klargemacht: Ölzeug griffbereit, alles verstaut, was fliegen könnte, mental umgeschaltet auf «kann unbequem werden».

    Draussen dann im Endeffekt bis zu 22 Knoten Wind auf die Nase und etwas Welle gegenan. Ja, ruppig. Aber ganz ehrlich: halb so schlimm.

    Wichtige Erkenntnis daraus: Wenn du dich vorher bewusst auf Worst Case einstellst, ist Normalfall plötzlich easy.



    Palmižana – Postkartenwasser und Sundowner


    Nächster Schritt Richtung Norden: Palmižana. Die ACI Marina Palmižana liegt auf Sveti Klement in den Pakleni-Inseln vor Hvar. Sehr beliebt bei Seglern, viele Boote, aber auch wirklich schön.

    Palmižana selbst ist angenehm, aber das Beste ist der kurze Spaziergang quer über die Insel. Auf der anderen Seite liegt eine Ankerbucht mit hellblauem, glasklarem Wasser, Sandboden und ein paar Bars und Restaurants praktisch direkt am Strand. Du fährst Dinghy, gehst schwimmen, gehst barfuss rum. Es fühlt sich nach Hochsommer an, obwohl noch Mai ist.



    Letzter Tag zurück nach Trogir


    Am Ende ging es zurück in die Marina Baotić. Tanken in Trogir ist normalerweise ein kleiner Krimi, weil alle gleichzeitig zurückkommen und sich in der Schlange gegenseitig «versehentlich» schneiden. Dieses Mal lief es ruhig. Kein Drama, kein Geschrei, kein «ich war aber vor dir».

    Dann ist der Moment da: Leinen über, Maschine aus, Check-out.

    Man ist immer ein bisschen kaputt an diesem Punkt. Aber gut kaputt.



    Was uns dieser Törn gezeigt hat


    Dieser Törn war nicht der längste und nicht der exotischste. Aber für uns war er ein Meilenstein.

    Wir wissen jetzt: Wir können zu zweit ein Boot dieser Grösse fahren.

    Wir können Bojen aufnehmen (mehr oder weniger), rückwärts in enge Marinas rein, Funkverkehr sauber abwickeln, Hafenmanöver ohne Panik fahren, Wetterentscheidungen treffen, Technikprobleme einordnen.

    Vor allem aber: Wir haben gemerkt, dass wir zusammen auf dem Wasser ruhig bleiben. Und das ist eigentlich die wichtigste Voraussetzung für Langfahrt.



    Lessons learned


    • Shorthanded segeln funktioniert. Solange beide ruhig bleiben und klar kommunizieren, braucht es nicht unbedingt eine dritte Person an Bord.
    • Korčula ACI Marina: unbedingt reservieren. Es ist eng, aber die Marineros sind fair und schreien dich nicht an, solange du nicht wie ein Maschinengewehr durch den Hafen ballerst.
    • «If you hit it, hit it slow.» Gilt immer.
    • Funk-Kopfhörer («marriage savers») sind Gold wert. Auch ohne Ehe.
    • Wir können das zu zweit. Und das ist die Hauptsache.